Die us-amerikanische Alternative-Rockband “Weezer” hat vor ein paar Tagen ihr neustes Studioalbum veröffentlicht (Weezer — The Red Album). Die erste Singleauskopplung aus diesem Album ist “Pork and Beans”.

Typisch für Weezers Stil sich selbst nicht übermäßig ernst zu nehmen, ist auch das neue Video zu “Pork and Beans” eher auf witzig gemacht. Es werden diverse YouTube-Berühmtheiten in das Video eingebunden, die dafür aber nicht etwa reingeschnitten oder nachgemacht, sondern tatsächlich zum Dreh von “Pork and Beans” eingeflogen wurden. Um die zahlreichen Anspielungen verstehen zu können, muß man freilich die besagten YouTube-Berühmtheiten und ihre Videos kennen. Eine komplete Liste aller beteiligten Akteure findet sich in der englischen Wikipedia.

Mathew Cullen, der Regisseur des Videos, hat betont, es sei gerade nicht darum gegangen, sich abwertend lustig über die “YouTube-Stars” zu machen, sondern im Gegenteil die Kreativität zu zelebrieren, die das Werk dieser YouTube-Promis auszeichnet. Kaum überraschend kann es da sein, daß der Clip zu “Pork and Beans” selbst inzwischen knapp 6 Millionen Views auf YouTube zu verzeichnen hat. Auch jenseits des Internets stieg der Song rasant in den Charts auf und gilt heute als größter Hit der Band.

Im Song selbst geht es darum man selbst zu sein und sich nicht irgendwelchen Trends anzubiedern (”I’mma do the things that I wanna do / I ain’t got a thing to prove to you / I’ll eat my candy with the pork and beans”). Sänger und Leadguitarist Rivers Cuomo hat “Pork and Beans” angeblich als verärgerte Reaktion auf ein Treffen mit dem Label der Band geschrieben, auf dem die Band gesagt bekam, ihr Sound müsse kommerzieller werden. Der Aufforderung ist die Band — wie die Lyrics schließen lassen — offensichtlich nicht nachgekommen und ihr Sound ist tatsächlich immer noch der alte.

Alexander Marcus sieht aus wie der perfekte Schwiegersohn, einer der aus gutbürgerlichem Haus kommt, die Haare nach hinten gegelt hat, seinen Pullover verknotet über den Schultern trägt und den man sich am ehesten auf einem Golfplatz oder im BMW-Cabrio auf Sylt vorstellen kann. Eine Art zweiter Florian Silbereisen, der in Volksmusik macht und Zuhörer jenseits der 60 in Verzückung versetzt.

Doch im Gegensatz zu Silbereisen wirkt er nicht unfreiwillig komisch, er überzeichnet sein Schmalztollen-Image absichtlich und inszeniert sich offensichtlich ganz bewußt selbstironisch.

Wie das konkret aussieht kann man im Video zu “Spiel, Satz und Sieg” wunderschön sehen. In einem Café macht Alexander sich schmierig an eine blonde Kellnerin ran, die daraufhin kotzen muß. Wobei nicht ganz klar ist, ob er, sein Tanzstil oder seine Musik ihren Brechreiz auslöst.

Die Musik wurde zuvor angestellt vom Café-Besitzer (oder -Manager), der tätowiert ist und ein Bad Religion Muscleshirt trägt — aber dennoch behauptet, der Song wäre seiner. Er bringt Alexander eine Suppe, weist diesen noch extra daraufhin, daß diese noch ganz heiß sei. Doch Alexander verbrennt sich trotzdem die Finger.

Er springt und windet sich vor Schmerzen, die er sich durch das Anfassen der Suppenschale zugefügt hat (hält dabei aber immer mal wieder kurz inne, was die Szene noch gotesker macht). Währenddessen läuft draußen ein Touristen-Rentner-Ehepaar vorbei, das wie sich aus dem Dialog erschließt gerade zu Besuch in Berlin ist. Sie sehen Alexander durch das Fenster des Cafés und der Mann ruft aus “Wir müssen Zivilcourage zeigen” woraufhin sie ins Café kommen, um Alexander zu helfen.

Das bringt nicht viel und dem Café-Besitzer platzt der Kragen, er schmeißt alle raus. Jetzt will er sich selbst an die Kellnerin ranmachen, kassiert aber nur eine Ohrfeige, während sie auf einmal entzückt über Alexander ist, der inzwischen in mehrfacher Ausgabe vor dem Café tanzt. Die Kellnerin rennt raus, fällt Alexander in die Arme und beide stürmen davon.

Ein völlig durchgeknalltes, absurdkomisches Video von Andreas Coupon, das man einfach lieben muß, egal ob einem nun die Musik zusagt oder nicht.

Alexander Marcus bezeichnet seinen Stil selbst als “Electrolore”, angeblich eine Mischung aus Electro und Folklore. Akustisch läuft dies dann auf eine Mischung von Schlager und House-Beats hinaus.

Christian Möller beschreibt in einem Artikel bei 1Live wie die Fans beim Hören von Alexander Marcus fast irre werden, weil sie nicht ergründen können, was sie an der Musik so fasziniert, die sie normalerweise eigentlich als Schrott ablehnen würden.

Die Figur, das Image des Alexander Marcus wirkt so konstruiert und überzeichnet, daß man leicht vermuten könnte, die Figur als solche ist ein einziges Kunstprodukt. Auf spex.de heißt es, “Alexander Marcus” sei das Pseudonym von Felix Rennefeld, einem House-Produzenten.

Wenngleich Alexander Marcus also nur eine Kunstfigur ist, geht die Marketingstrategie eine groteske Mixtur aus Schlager und House mit passend trashigen Videoclips zu kombinieren ganz offensichtlich auf, denn Marcus’ Fangemeinde wächst beständig.

Die französische French House Band “Justice” hatte im letzten Jahr ihren Durchbruch und gewann mit dem Video zu “D.A.N.C.E.” den Video Star Award bei den MTV European Music Awards. Auch bei den MTV Video Music Awards waren sie mit “D.A.N.C.E.” nominiert.

Ihre Musik galt als leicht und unverfänglich, ein Image mit dem die Band nun offenbar radikal brechen wollte. Der Clip zum neuen Stück “Stress” stammt von Romain Gavras (Sohn des berühmten Regisseurs Constantin Costa-Gavras) und gilt als absolutes Skandalvideo, das inzwischen von Musikkanälen verbannt wurde und auch bei YouTube nicht mehr zu finden ist.

Im Stil von Clockwork Orange zeigt der Clip ein paar Jugendliche die vandalierend, prügelnd und raubend durch die Stadt ziehen. Obwohl es sich um eine Inszenierung handelt, wirkt das Video stellenweise so realistisch, daß man es für eine Dokumentation halten könnte.

Auch gibt der Clip keinen dezidierten Hinweis, was seine Intention ist. D.h., ob die Gewaltexzesse nun aufrütteln, auf gesellschaftliche Mißstände aufmerksam machen sollen, oder aber, ob sie einfach nur gefeiert und verherrlicht werden, hängt von der Intepretation des Betrachters ab.

Kritisch wird auch gesehen, daß die Jugendlichen offenbar alle maghreb- bzw. subsahara-stämmig sind, also alle einen Migrationshintergrund haben. Das hat der Band den Vorwurf eingebracht, daß der Clip rassistisch sei, da er die Angst vor Schwarzen und Arabern verstärken und Gewalt pauschalisierend als etwas das von Migranten ausgeht inszeniert.

Wählt man die Kontakt-Telefonnummer der Künstlergruppe “Kourtrajme”, der der Regisseur Romain Gavras angehört, landet man in der Parteizentrale des rechtsextremen Front National, wie es in einem Kulturzeit-Beitrag heißt.

Das Ganze ist natürlich als Provokation gemeint, “Justice” und Romain Gravas spielen mit der Angst der Franzosen. Der Clip weckt einerseits natürlich Assoziationen mit den Aufständen in den Pariser Banlieues im November letzten Jahres (auch weil in der letzten Szene ein Auto in Flammen aufgeht), andererseits geht er darüber aber auch hinaus, weil die Jugendlichen im Video nicht in den Banlieues bleiben, sondern nach Paris reinfahren. Sie stürmen in der Innenstadt ein Bistro und berauben im bekannten Montmartre-Viertel Touristen. Die Gewalt wird also aus den Banlieus in das Herz Frankreichs getragen und gerade das, so meinen einige Beobachter, führt bei vielen Franzosen zu Angst und Wut beim Anblick des Videos.

Geht es in dem Video also doch um Gesellschaftskritik, um das Vorführen der Reflexe des gutbürgerlichen Anteils der französischen Bevölkerung, der mit der Gewalt leben kann, solange sie nur in den sozial vernachlässigten Vorstädten bleibt? “Justice” selbst schweigen sich zum Thema aus, erklären nur lapidar, man wolle nicht zu Gewalt anstiften.

Auf der Website der Band soll es demnächst allerdings eben jene düsteren Lederjacken mit dem Bandsymbol drauf geben, die die Schläger auch im Video tragen — zum Stückpreis von rund 600 Euro. Dies ist natürlich ein klares Indiz dafür, daß es hier mehr um eine skandalorientierte Marketingstrategie geht, denn um versteckte Gesellschaftskritik.

Auch wenn die musikalische Komponente in der Debatte keine Rolle spielt (es nur um die visuelle Umsetzung geht), bleibt festzuhalten, daß der unruhige, leicht panikerzeugende Track perfekt zum Video paßt.

Die hier zu sehende Version bei Google Video ist leider gekürzt, die Vollversion gibt es z.B. bei MyVideo.de.

Kid Rock hat seinem Ruf als “Landpomeranze” der us-amerikanischen Rockszene mal wieder alle Ehre gemacht. Seine Lyrics und Videos zelebrieren seit jeher den Redneck-Lifestyle des Bible Belts und des Mittleren Westens. Auch der neue Song “All Summer Long” spielt inhaltlich in “Northern Michigan”, passend dazu jagt Kid im Video mit einem Motorboot über einen See.

Der Song ist ein durchaus gelungenes Mashup aus Warren Zevons “Werewolves of London” and Lynyrd Skynyrds “Sweet Home Alabama”. Inhaltlich geht es um einen nostalgischen Rückblick auf eine Jugendliebe aus dem Jahr 1989: “Splashing through the sand bar / Talking by the campfire / It’s the simple things in life, like when and where / We didn’t have no internet / But man I never will forget / The way the moonlight shined upon her hair”.

Diese kitschig-romantische Lagerfeuer-Lyrik mag sicherlich nicht jedem gefallen, zudem wie bei Kid Rock typisch stark prollig-sexistisch wirkende Symbolik dazukommt. Der Song ist jedoch insich durchaus stimmig und die Kulisse des Videos ziemlich gut auf den Inhalt des Songs abgepaßt. Da Kid Rock aus Michigan stammt, wirkt der Track zudem authentisch.

Und ein verklärender Rückblick auf die eigene Jugend (selbst wenn der Song nicht autobiographisch ist, war Kid Rock 1989 achtzehn Jahre alt, er bezieht sich also auf eine Epoche in der er auch selbst Heranwachsender war), auf eine Zeit in der alles vermeintlich einfacher und ein stückweit sorgenloser war, ist nun mal immer noch ein praktikables Rezept für einen funktionierenden Song. Dennoch sollte nicht übersehen werden, daß das Stück natürlich stark vom Klassiker “Home Sweet Alamaba” getragen wird.

“3 Tage wach” ist ein Clubtrack von Tobias Lützenkirchen, kurz “Lützenkirchen” genannt. Im inzwischen zum Kultvideo anvancierten Videoclip sieht man zwei Personen in Hasenkostümen die durch das Berliner Nachtleben tingeln.

Passend zum Video erzählen die Lyrics davon was es heißt, drei Tage Non-stop Party zu machen. Lützenkirchen wurde dafür kritisiert, der Song und das Video würden zum Drogenkonsum animieren bzw. unbedarfte Zuhörer dazu verleiten, wirklich drei Tage Party ohne Schlaf machen zu wollen und dafür entsprechende Pillen einzuwerfen. In der Wikipedia kann man nachlesen, daß Lützenkirchen das zurückweist und empfiehlt, man solle den Track nicht allzu ernst nehmen.

Tatsächlich sollte man in Lyrics wie “Bunte Pillen Fete, 3 Tage wach / Puls wie ne Rakete, 3 Tage wach” wohl lieber nicht zu viel hinein interpretieren. Klar ist der Track offensichtlich auch eine Anspielung auf den Drogenkonsum in der elektronischen Musikszene, allerdings eher auf ironische Art.

Von den Lyrics her ist “3 Tage wach” wirklich absolut grottig (”Pille, Palle, Alle Pralle / Druff, Druff, Druff, Druff, Druff”), was jedoch für Clubmusic kein Kriterium ist. Und als Clubhit überzeugt der Track durchaus; das Video zum Song von Oliver Koletzki und Andrej Dallmann ist ebenso passend.

Aimee Anne Duffy, kurz “Duffy” genannt, ist eine aus Wales stammende Soul- und Pop-Sängerin. Genau wie “Adele” und “Gabriella Cilmi” wird auch Duffy häufig mit Amy Winehouse verglichen (”The New Amys”), da alle dieselbe Form von “Soul-Pop” machen (der zur Zeit sehr im Trend liegt). Tatsächlich scheint zumindest Duffy eine ähnlich elektrisierende Stimme wie Winehouse zu haben und ähnlich populär zu werden.

Mit “Mercy” gelang Duffy ihr Durchbruch, der Song schlug in Europa wie eine Bombe ein und stieg hier fast überall auf Platz Eins der Charts, bei YouTube durchbrach der dazugehörige Videoclip die 12 Millionen Views Marke. In der englischen Wikipediea wird Duffy mit den Worten “the song is autobiographical and is about ’sexual liberty’ and ‘not doing something somebody else wants you to do’” zitiert.

Das Video ist nicht übermäßig spektakulär, aber dennoch sehenswert. Man sieht Duffy wie sie auf einem Podium (das wohl einen Eisblock darstellen soll) unter Scheinwerferlicht steht und singt, während um sie herum schwarz gekleidete Männer tanzen, von denen man meistens nur die Füße sieht. Am Ende des Videos fangen die Füße dann auf einmal Feuer, das sich langsam nach oben frißt, bis die Tänzer in Flammen stehen. Allerdings “fackeln” sie nicht wirklich ab, die Szene suggeriert keine Gewalt.

“3’s & 7’s” ist eine Ode der “Queens Of The Stone Age” an den Exploitationfilm der 60er und 70er Jahre, der im letzten Jahr durch “Grindhouse” (= “Planet Terror” + “Death Proof”) von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino neu zelebriert wurde.

Klassisch für das Exploitationkino geht es auch in “3’s & 7’s” um Muscle Cars, Gewalt und Sex irgendwo im us-amerikanischen Hinterland. Neben Tarantino erinnert das Konzept von männerverprügelnden Frauen natürlich auch an Sexploitation-Klassiker wie Russ Myers “Faster, Pussycat! Kill! Kill!”.

Aufgebaut ist der Clip dabei wie ein Trailer, durch schnell geschnittene Szenen und entsprechende textliche Einblendungen soll beim Zuschauer Interesse für den eigentlichen Film geweckt werden. Trailer spielten beim Exploitationfilm eine zentrale Rolle, nicht umsonst haben auch Rodriguez und Tarantino das für ihren Grindhouse Doppelpack wieder aufgegriffen.

Der Song als solcher ist typischer Stoner Rock, wie man ihn von den “Queens Of The Stone Age” gewohnt ist. Stoner Rock und Exploitationkino zu kreuzen erscheint naheliegend, beide Richtungen passen zueinander (rau, archaisch, Wüsten-Ambiente, etc.), entsprechend stimmig wirkt das Video von Paul Minor.

Nach fünf langen Jahren ist Erykah Badu, die Queen des modernen Souls, endlich wieder mit einem neuen Album da. Es trägt den Titel “New Amerykah Part One (4th World War)” und erschien erst vor ein paar Tagen.

Etwas länger draußen ist bereits die erste Singleauskopplung “Honey”. Der Song sampled Nancy Wilsons “I’m in love” und klingt wie immer wunderschön. Als Co-Producer fungierte “9th Wonder” (Patrick Douthit).

Im Video durchstreift Erykah (vermutlich, man sieht ihr Gesicht nicht) einen Plattenladen, zu sehen sind dabei diverse legendäre LP-Cover die aber alle auf Erykah abgeändert wurden.

Es gibt auch ein Video-im-Video, hier parodiert Erykah dann ihren Ex-Freund André 3000 (von OutKast) bei dessen Auftritt im berühmten Video zu “Hey Ya!”. Statt wie André in grün erscheint Erykah allerdings in pink. Musikalisch handelt es sich bei diesem Video-im-Video um einen Ausschnitt von “Annie” einem Stück der Edith Funker, einer “super group” die ein Nebenprojekt von Erykah ist.

“Das Fleisch der Wassermelone” (int.: “The Wayward Cloud”, orig.: “Tian bian yi duo yun”) ist eine taiwanesische Erotikkomödie des chinesisch-malaiischen Regisseurs Tsai Ming-Liang. Im Jahr 2005 wurde der Film auf der Berlinale mit drei Preisen ausgezeichnet, so daß er jetzt Mitte Februar zum ersten Mal von ARTE im Zuge des Berlinale-Begleitungsprogramms im Fernsehen ausgestrahlt wurde und kommenden Sonntag (02.03.) wiederholt wird.

“Das Fleisch der Wassermelone” spielt im Taipeh der Gegenwart, es ist Sommer, brütend heiß und ganz Taiwan leidet unter Wassernotstand. Inzwischen sind mehr Wassermelonen als Wasser vorhanden, weshalb die Regierung die Bevölkerung dazu auffordert, soweit möglich lieber den Saft von Wassermelonen zu trinken.

Und tatsächlich spielen Wassermelonen dann auch eine tragende Rolle im Film — wenn auch nicht primär als Durstlöscher. Gleich in einer der ersten Szenen sieht man den Hauptdarsteller Lee Kang-Sheng als Pornoakteur Hsiao Kang wie er exzessiv eine halbe Melone leckt und fingert, die sich sein weiblicher Counterpart (”die Japanerin”) zwischen die Schenkel geklemmt hat. Und ähnlich zieht sich der Einsatz von Melonen dann auch durch den Rest des Films.

Die Figur des Hsiao Kang ist keine Unbekannte im Universum von Regisseur Tsai Ming-Liang (dessen Filme alle aufeinander Bezug nehmen und direkt oder indirekt zusammenhängen). Er tauchte bereits in “What Time Is It There?” (orig.: Ni neibian jidian) auf, dort noch als jemand der Uhren auf der Straße vertickt. Weil sich das nicht mehr lohnt, ist er nun mit einer minimalistischen Filmcrew (Regisseur, Beleuchter, Kameramann, “die Japanerin”) zugange, die in der Hitze des Sommers in einem Wohnhaus vom Typ Plattenbau einen Porno dreht.

Wie es der Zufall will, wohnt im selben Wohnhaus auch Hsiaos Ex-Freundin Shiang Chyi (Chen Shiang Chyi), die in “What Time Is It There?” nach Frankreich verschwunden war (soweit ich das aus den Rezensionen rekonstruieren kann) und nun wieder da ist. Wie nicht anders zu erwarten, kommen sich Hsiao und Shiang schnell wieder näher.

Dieser Wiederannäherungsprozeß zwischen Hsiao und Shiang, Hsiaos neue Tätigkeit als Pornodarsteller, die teilweise absurd komischen Improvisationskünste der Menschen im Zeiten von Wasserknappheit und schließlich die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Wassermelonen — darum kreist im wesentlichen der Plot des Films. Wobei es Tsai Ming-Liang gelingt, diese Elemente wundervoll zu verweben.

“Das Fleisch der Wassermelone” wird in der Regel als “Erotikkomödie” klassifiziert, was allerdings angesichts der besonders für das deutsche Fernsehen schon recht expliziten Sexszenen stark verniedlichend wirkt. So ist “die Japanerin” am Ende bewußtlos (um mal von der noch harmlosesten Interpretation auszugehen), nachdem sie beim Masturbieren mit einer Wasserflasche den Verschluß der Flasche in den Untiefen ihrer Liebesgrotte verloren hat (ob wirklich das zu ihrem Knockout führte, sei mal dahingestellt).

Doch die Jungs wollen ihren Porno zuende drehen, also hat Hsiao Sex mit der bewußtlosen “Japanerin”. Am Ende ejakuliert er jedoch in den Mund von Shiang, die die Szenerie beobachtet hatte und akustisch mit eingestiegen war (sie war eher zufällig an das Filmset geraten, nachdem sie “die Japanerin” bewußtlos im Fahrstuhl gefunden hatte). Solche Szenen wirken natürlich extrem.

Dennoch schafft es Tsai Ming-Liang auch immer wieder groteske Komik einfließen zu lassen, etwa wenn Pornoregisseur und Beleuchter versuchen den oben erwähnten Schraubverschluß der Wasserflasche “wiederzufinden” oder wenn Shiang vor lauter Langeweile mit einer Wassermelone unter dem Hemd eine Schwangere spielt und die Melone nach dem plötzlichen Einsetzen der “Wehen” in einer schier endlos wirkenden Sequenz dann einsam im Treppenhaus “gebiert”.

Martin Rosefeldt schrieb 2005 in einer Rezension “Diese Kombination aus schnödem Hyperrealismus (…) und stilisiertem Kitsch, erzeugt eine seltsame Spannung zwischen Komik und Tragik, zwischen Groteske und Melodram, Lakonie und Tristesse. Tsai Ming-Liangs Bilder sind sicher das Mutigste und Witzigste, was der diesjährige Wettbewerb zu bieten hatte und dies ohne jedes pornographisch-sensationalistische Kalkül” (ARTE).

Ob der Film wirklich ohne “jedes pornographisch-sensationalistische Kalkül” daher kommt kann man diskutieren. Diese These wäre insofern zu bejahen, als daß der Film natürlich selbst kein Porno ist, sondern den Dreh eines Pornos auf einer Metaebene veranschaulicht, diesen Vorgang in seinen eigenen Plot einbindet. Zweitens ist selbst das fast nur eine Beiläufigkeit im gesamten Film, denn es geht natürlich nicht nur um den Sex im heißen Sommer, sondern auch um das Setting drum herum.

Auch daß die Dialoge auf ein absolutes Minimum reduziert sind, stört nicht wirklich, da das Handeln der Akteure für sich spricht. Etwas nervig sind hingegen die infantilen Musical-Einlagen, die den Film “leitmotivisch durchziehen” (Rosefeldt), dabei allerdings nur sehr bedingt unterhaltsam wirken. Faktisch sind sie überflüssig. Ansonsten wäre natürlich noch einzuwenden, daß einem Zuschauer dem Tsai Ming-Liangs Werke nicht vertraut sind, sicherlich etliche Anspielungen entgehen.

Insgesamt ist “Das Fleisch der Wassermelone” aber ein sehr unterhaltsamer, tragisch komischer Film, der jedem zu empfehlen ist, der schon immer wissen wollte, wozu Wassermelonen außer zum Verzehr noch gut sein können, und der kein Problem mit einer streckenweise doch recht expliziten Darstellung von Sex hat.

Zu sehen ist der Film auf ARTE am Sonntag den 02.03. (in der Nacht zu Montag) um 0:50 Uhr.

Der niederländische House-DJ und Musikproduzent Fedde le Grand hat zusammen mit der dänischen Sängerin Ida Corr einen Clubhit gelandet.

“Let Me Think About It” heißt das gute Stück, in der Wikipedia heißt es “The song has a decidedly upbeat and techno feel, with a ‘jerky’ beat. The song also has an element of jazz”. Wobei dieses “element of jazz” freilich nicht allzu sehr zum Tragen kommt. Als Clubtrack funktioniert das Stück aber definitiv gut.

Im Video sieht man neben Fedde und Sängerin Ida auch noch weitere Tänzerinnen, die Ida sehr ähnlich sehen und leicht bekleidet durchs Bild hopsen. Kein bahnbrechendes Video, aber nett anzusehen.

Flo Rida ist ein aus Florida stammender Nachwuchs-Rapper der es mit dem hier vorgestellten Track “Low” auf Platz 1 der US-Charts geschafft hat. Der wurde produziert und gefeatured von T-Pain der zur Zeit eine größere Nummer zu werden scheint, sein Name taucht relativ oft auf.

Das Video spielt in einem Club, hauptsächlich zu sehen sind Flo Rida und T-Pain. Da der Song gleichzeitig auch der offizielle Soundtrack zum Tanzfilm “Step Up 2 the Streets” ist, wurden von dort einige Szenen in das Video hineingeschnitten. Ansonsten ist es ein typisches HipHop-Video zu einem recht eingängigen Track.

Eureka - Die geheime Stadt (oft auch EUReKA geschrieben, da das Schlagwort sonst noch eine Menge anderer Dinge bezeichnet) ist eine Science-Fiction Serie, die ab kommenden Montag (25.02.) jede Woche um 21:10 Uhr auf Pro7 läuft.

Eureka ist eine Kleinstadt in den USA (es gibt in den USA mehrere echte Städte die Eureka heißen, allerdings keine bei Salem in Oregon, wo die fiktive Stadt in der Serie vermutet wird), die allerdings ein nicht ganz unbedeutendes Geheimnis birgt: In ihr versammelt sind die besten und fähigsten Wissenschaftler der USA samt Forschungseinrichtungen.

Klar, daß in einer Stadt in der so viele Hochbegabte, Quantenphysiker und Mathegenies aufeinander hocken auch schon mal das ein oder andere daneben geht bzw. in die Luft fliegt. In der Pilotfolge baut ein übermotivierter Wissenschaftler eine Maschine die das Raumzeitkontinuum auseinanderzureißen droht. Hilfe hatte er dabei von Außen, denn natürlich haben auch feindliche Mächte und Industriespione ein Auge auf Eureka und seine Produkte geworfen.

Daher hat Eureka wie jede normale Kleinstadt auch einen Sheriff (der in Warheit alllerdings einen viel höheren militärischen Rang hat), der für Recht und Ordnung sorgt. Diese Position übernimmt schließlich Hauptdarsteller Colin Ferguson als Jack Carter, nachdem der vorhergehende Sheriff in der Pilotfolge schwer verletzt wird.

Zu Beginn weiß Jack aber noch nichts von seinem neunen “Glück”, er ist US Marshall und überführt in seinem Wagen eine junge Flüchtige. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um niemand geringeren als seine eigene pubertierende Tochter Zoe Carter (Jordan Hinson). Jack und seine Frau leben getrennt, wofür Zoe ihm die Schuld gibt. Im Kern des Vater-Tochter-Konflikts geht es darum, daß er ein Workaholic ist, der so fixiert auf seine Arbeit ist, daß er kaum noch Zeit für seine Familie hat. Also ein ganz klassischer Konflikt (eine ähnliche Situation findet sich z.B. bei “Shark”).

Jack kommt mit seinem Wagen von der Straße ab, nachdem er einem Hund namens “Lowjack” ausweichen mußte. Daraufhin muß er in Eureka verweilen, bis der Mechaniker Henry Deacon (Joe Morton), der früher mal ein NASA-Ingenieur war, seinen Wagen repariert hat. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände wird er in einen laufenden Fall verwickelt und erfährt so nach und nach mehr über das Geheimnis der Stadt samt ihrer Einwohner.

Zum einen wäre da Allison Blake (Salli Richardson-Whitfield) die als Agentin des Verteidigungsministeriums (DoD) als Schnittstelle zwischen Pentagon und Eureka fungiert. Allison hat zwei Ehen hinter sich, aus der ersten hat sie ihren autistischen Sohn Kevin der ein junges Mathegenie ist. Der Vater / Ehemann verstarb.

In zweiter Ehe war sie mit Nathan Stark (Ed Quinn) liiert, der inzwischen Leiter der Forschungseinrichtung ist und den arroganten und oft auch skrupellosen Topwissenschaftler mimt. Allison ist so etwas wie die “Feuerwehr”, die immer als erste auftaucht, wenn in Eureka etwas schief läuft. Zunehmend kriegt das aber der neue Sheriff Carter an den Hals.

Dr. Beverly Barlowe (Debrah Farentino) ist die “femme fatal” in Eureka. Als exzellente Psychotherapeutin betreut sie die Eliten des Landes, betreibt aber nebenher als Tarnung auch noch eine kleine Pension in der Stadt. Sie gibt sich aufreizend und hat eine magische Wirkung auf Männer. Als zwielichtige Figur arbeitet sie für die (nicht näher spezifizierte) Gegenseite und begeht gleich in der Pilotfolge einen heimtückischen Mord.

Matt Frewer spielt den lokalen “Safarijäger” Jim Taggart. Er fängt ein, was immer aus den Forschungslabors ausbricht (was ihm nur bei “Lowjack” der angeblich einen IQ von 130 hat nicht gelingen will). Er ist der typische Serien-Sidekick, immer etwas merkwürdig drauf aber eben einer von “den Guten”.

Weiterhin steht dem neuen Sheriff mit Deputy Jo Lupo (Erica Cerra) eine ehemalige Elitesoldatin zur Verfügung. Obwohl die Figur recht maskulin angelegt ist (sie ist die “Frau fürs Grobe”) und Jo so ihre Probleme mit Männern hat, wirkt sie in Wahrheit natürlich sehr attraktiv und feminin.

Nachdem Jack in der Pilotfolge einen Fall erfolgreich lösen kann, der ohne seine Hilfe wohl nicht zu lösen gewesen wäre, wird er vom US Marshall zum Sheriff von Eureka “befördert” und lebt von nun an dort mit seiner Tochter.

Die Serie ist sicherlich kein absolutes Meisterwerk, sie ist aber unterhaltsam und die Drehbücher sind solide aufgebaut. Zu hoffen bleibt daher, daß Pro7 die Serie nicht wie zuletzt bei Doctor Who nach drei oder vier Folgen gleich wieder einstellt.

These New Puritans (TNPS) ist eine junge Band aus dem Süden Englands deren Sound irgendwo zwischen Punkrock und elektronischer Musik liegt. Ende Januar kam in GB ihr erstes Album “Beat Pyramid” heraus.

“Elvis” ist die erste Singleauskopplung aus dem Album. Der Track kommt zwar nicht ganz so hart rüber, wie die ersten 30 Sekunden hoffen lassen, rockt aber dennoch recht annehmbar.

Das Video zeigt die in schwarzes Ambiente gehüllten Gesichter und nackten Oberkörper der Bandmitglieder, deren Haut sich durch einen starken Luftstrom zu verformen scheint; denkbar wäre daß es in einem Windkanal gedreht wurde (oder es wurde durch Tricktechnik nachgeholfen).

Der gerade mal erst 17 Jahre alte Soulja Boy hat im letzten Jahr — über das Internet bekannt geworden — mit “Crank That” einen absoluten Hit gelandet. Passend zu seiner Musik erdachte er auch gleich seinen eigenen Tanzstil, der inzwischen legendär ist.

Im Video wird eben diese Erfolgsgeschichte nachgezeichnet. Inzwischen gibt es zig Remixe und Parodien des Stücks, bei YouTube finden sich sogar zahlreiche Zeichentrick-Versionen wie etwa eine mit Spongebob, die allein schon wahnsinnige 24 Millionen Views zu verzeichnen hat.

Ob Soulja Boy ein One-Hit-Wonder bleibt oder es schafft sich zu etablieren bleibt abzuwarten, “Crank That” ist jedenfalls ein absoluter Ohrwurm.

Growth Curve

I think the human growth curve is similar like this one. When you are on the top, where the growth rate is zero, you get the greatest feeling of worry and uncertainty. Some are able to broaden the stationary phase, and perhaps few can even create another peak before the growth rate turns into negative.

I don’t mean it biologically.

At some point in life, we lose friends without any apparent reason. We just step away and stand by. Meet or never; cheer or sigh; leap or weep.

At some point in life, we stop looking for the so-called soulmates. We stand up and step forward. Meet or never; cheer or sigh; leap or weep.

Was für ein Sound kommt heraus, wenn man eine Band wie “Wir sind Helden” mit “Nena” kreuzt? Vermutlich so etwas wie der aktuelle Song “Kopf oder Zahl” der jungen Band “Jennifer Rostock”. Zwar wird die Band eher dem Punk-Rock zugeordnet, Songs wie “Kopf oder Zahl” klingen aber deutlich mehr nach Pop.

Das Ambiente des Videos erinnert etwas an Pandas “Jeht Kacken”, wenn auch vielleicht nicht ganz so kraß. Die Lyrics sind herrlich (”Ein Mann, ein Wort, ein Unterhemd, keine Haare aufm Kopf, aber gut gekämmt”), der Sound hat Ohrwurmpotential.

Und nachdem “Jennifer Rostock” nun auch bei Raabs Bundesvision Song Contest für MeckPom antreten werden, schaffen sie vielleicht sogar den Durchbruch im Mainstream.

Mit schlappen 725 Folgen und einer Geschichte die bis ins Jahr 1963 zurückreicht ist “Doctor Who” wohl eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Serien aller Zeiten (neben StarTrek). Die neuen, seit 2005 gedrehten Folgen zeigt ProSieben nun etwas versteckt jeden Samstag mit einer Doppelfolge von 17 bis 19 Uhr.

Die Hauptfigur ist “Der Doktor”, der keinen näher bekannten Namen hat, was dann immer wieder zur Nachfrage “Doktor wer?”, also “Doctor who?” führt. Der Doktor gehört einer außerirdischen, aber menschlich aussehenden Spezies an, die sich die Timelords nennen. Wobei der Doktor der letzte seiner Art ist. Die Timelords sind in der Lage durch Raum und Zeit zu reisen, wobei es ihnen aber strikt untersagt ist, sich in die Geschehnisse die sie beobachten einzumischen. Eine Regel, die der Doktor immer wieder bricht, was dann auch immer wieder negative Konsequenzen hat.

Das Raumschiff mit dem sich der Doktor durch Raum und Zeit bewegt ist die TARDIS, eine Abkürzung für “Time And Relative Dimensions In Space”. Die TARDIS verfügt über eine Tarnvorrichtung die es ihr ermöglichen soll, sich unaufäälig an die jeweilige Umgebung anzupassen. Zu den diversen Defekten unter denen die TARDIS des Doktors leidet gehört aber, daß sie immer wie eine britische Notrufsäule aussieht, die blaue Police box. Erst die Serie hat dazu geführt, daß diese blauen “Polzeihäuschen” in England einen ähnlichen Kultstatus erhielten, wie die noch bekannteren roten Telefonzellen.

Die Tatsache, daß der Schauspieler der den Doktor spielt über 40 Jahre hinweg immer wieder ausgewechselt werden mußte, wurde in den Plot der Serie integriert. Der Doktor reinkarniert immer wieder. So gab es bereits 10 Schauspieler, die die Rolle des Doctor Who übernahmen, in der ersten der neueren Staffeln aus dem Jahr 2005 wird er von Christopher Eccleston gespielt (”9. Doktor”), nach dessen Ausstieg aus der Serie dann von David Tennant (”10. Doktor”).

An der Seite des Doktors befanden sich seit jeher diverse Companions, meistens Erdenbürger aus der Gegenwart, die den Doktor neugierig begleiten und ihm in zahlreichen Auseinandersetzungen mit böswilligen Außerirdischen beistehen. In den aktuellen Folgen wird diese Rolle durch Billie Piper wahrgenommen, die die attraktive Verkäuferin Rose Tyler spielt.

Gleich in der ersten Folge wird Rose von zum Leben erwachten Plastik-Schaufensterpuppen angegriffen. Der Doktor rettet sie und Rose revanchiert sich in dem sie ihrerseits den Doktor im Kampf mit dem “Chef-Plastik-Monster” rettet. Daraufhin nimmt der Doktor sie mit und beide reisen in der zweiten Folge fünf Milliarden Jahre in die Zukunft, wo der Erde die endgültige Vernichtung durch das natürliche Erlöschen (Kollabieren) der Sonne bevorsteht. Der “letzte Mensch” ist eine Frau die aussieht wie ein aufgespanntes Laken und einen Anschlag auf die VIPs plant, die dem außergewöhnlichen Spektakel von einer Raumstation aus beiwohnen wollen.

Die neuen Folgen von Doctor Who scheinen gut gelungen, der oft trocken-britische Humor mit vielen Anspielungen auf gesellschaftliche Zustände in der Gegenwart schimmert immer wieder durch. Hatten die alten klassischen Folgen früher nur 25 min. und ausgesprochen “brutale” (oft nervige) Cliffhanger, haben die neuen Folgen nun jeweils 45 min. und sind jeweils in sich abgeschlossen (von einigen Doppelfolgen mal abgesehen). Die Serie macht dies deutlich sehenswerter. Auch moderne Special Effects haben natürlich Einzug erhalten, allerdings nicht so massiv, daß sie die Handlung überdecken würden.

Daß ProSieben diese von der BBC produzierte eigentlich auch für die Primetime gedachte Serie ins nachmittägliche Samstag-Programm abschiebt ist ebenso typisch wie peinlich. Eine derartig gutgemachte Kultserie hat einen würdigeren Sendeplatz verdient. Andererseits muß man vermutlich dankbar sein, daß ProSieben die Serie überhaupt ausstrahlt. Bleibt abzuwarten, ob sie die erste Staffel wenigstens konsequent durchsenden und dann vielleicht sogar die zweite nachlegen.

Im Jahr 1976 hatte der französische Regisseur Claude Lelouch gerade “Ein Hauch von Zärtlichkeit” abgedreht und vom Dreh noch einige Filmrollen übrig. Er befestigte daraufhin eine Kamera an der Stoßstange eines Mercedes 450 SEL 6.9 und drehte in einem einzigen Take (sic!) den knapp 9 minütigen Kurzfilm “C’était un rendez-vous”, der zeigt, wie Lelouch mit einem absolut mörderischen Tempo am frühen Morgen durch die Pariser Innenstadt jagt.

Spiegel Online hat die Geschichte vor kurzem wieder ausgegraben, viele der dort eingebrachten Infos finden sich allerdings auch in der Wikipedia.

Nach diesen Quellen hört man im Video zwar den Motor eines Ferrari 275 GTB, tatsächlich hat Lelouch aber wie oben schon erwähnt einen Mercedes 450 SEL 6.9 gefahren, angeblich weil die noch härtere Federung des Ferrari keine brauchbaren Aufnahmen ermöglicht hätte. Der Sound des Ferrari Motors wurde dann nachträglich eingefügt, nachdem man dieselbe Strecke noch mal mit besagtem 275 GTB abgefahren war. Auch ist nach aktueller Faktenlage Lelouch die Strecke auch tatsächlich selbst gefahren und nicht irgendein professioneller Fahrer, wie lange vermutet wurde.

Die Herleitung des Titels (C’était un rendez-vous) erschließt sich erst am Ende des Films, Lelouch steigt aus (man sieht nur seine Beine) und umarmt eine Frau die gerade die Treppen hinauf kommt. Es handelt sich dabei um Gunilla Karlzon, die damalige Lebensgefährtin von Lelouch.

Die gefahrene Strecke laut Wikipedia: Tunnel auf dem Boulevard périphérique an der Porte Dauphine -> Avenue Foch -> Arc de Triomphe -> Avenue des Champs-Élysées -> Place de la Concorde -> Quai des Tuileries -> Louvre: Jardin du Carrousel -> Grand Opéra Paris -> Galeries Lafayette -> Trinite -> Pigalle -> Boulevard de Clichy -> Place Blanche -> Rue Coulaincourt -> den Montmartre hinauf -> Avenue Junot -> Rue Norvins -> Place du Tertre -> Sacré-Cœur.

Wer will, kann sich auf einer Website den Verlauf der Strecke auch bei Google Maps ansehen, während zeitgleich das Video bei Google Videos läuft. Man sieht also in “Echtzeit”, wo sich das Auto gerade auf der Karte befindet.

Eine Strecke in unter 9 Minuten zu schaffen, für die man in Stoßzeiten bis zu einer Stunde braucht, ist eine respektable Leistung. Dabei ging Lelouch aber auch an die Grenze des Machbaren, es wurden insgesamt 15 überfahrene rote Ampeln gezählt und eine Spitzengeschwindigkeit von rund 140 km/h auf der Avenue Foch berechnet. Auf den Champs Elysées waren es immerhin auch 110 km/h. Mehrmals ist in dem Film zu sehen, wie Lelouch kurz vor einer Kollision mit Tauben, Passanten und besonders natürlich dem Querverkehr steht.

Juristische Konsequenzen hatte die Aktion allerdings wohl trotzdem keine, es hieß zwar der Film sei damals sofort beschlagnahmt worden und Lelouch in den Knast gewandert, doch weder das eine noch das andere läßt sich belegen.

Der Film ist radikaler und konsequenter als jede auf Film gebannte Verfolgungsjagd, gerade weil es nicht um ein künstlich inszeniertes Film-Rennen geht, das auf einer abgesperrten Strecke stattfindet. Dieser Faszination gegenüber steht die Tatsache, daß es natürlich völlig unverantwortlich ist, was Lelouch dort treibt, riskiert er doch nicht nur sein Leben, sondern auch das unbeteiligter Dritter. Heute wäre der Film nicht zuletzt aufgrund der erhöhten Verkehrsdichte selbst am frühen Morgen wohl nicht mehr machbar.

“Hot Chip” ist eine britische Elektropop- bzw. Synthie-Pop-Band. Ihre bisherigen Werke wurden von britischen Musik-Magazinen wie Mixmag oder dem New Musical Express zu den besten im jeweiligen Erscheinungsjahr gewählt.

Die Masterminds in der fünfköpfigen Band sind Alexis Taylor and Joe Goddard. Taylor ist auch der zentrale Akteur im Video zur aktuellen Single “Ready for the Floor”. Hier mimt er Batmans Erzrivalen “Joker”:

“The music video involves Alexis Taylor in 2 and 1/2 body styles: himself as The Joker from the Batman comics and as himself. The video is inspired by Japanese Television and ties in the theme of the Joker as Alexis challenges the other band members by means of tampering with physics.

In the beginning of the video, all of the band members’ clothes are grey and they gradually upgrade to brighter colors once they manage to pass each challenge. Many more references to the Joker are made, as one of the repeated lyrics is ‘You’re my number one guy’ which is a line by Carl Grissom the Joker’s former boss from the 1989 film Batman.” (Wikipedia)

Der zwei geteilte “body style” könnte auch als Referenz an einen weiteren von Batmans Feinden verstanden werden, Two-Face; was aber vielleicht doch etwas zuweit hergeholt wäre.

Der Track ist sehr eingängig und gefällt auf Anhieb, man muß freilich Elektropop mögen.

Seit Anfang Januar strahlt VOX nun jeden Freitag um 22 Uhr die neue Serie “Men in Trees” aus und es läßt sich feststellen, daß diese eine echte Bereicherung für das deutsche Fernsehen ist.

Anne Heche spielt hier die junge New Yorker Bestseller-Autorin Marin Frist. Marin verfaßt Beziehungsratgeber und ist fester Bestandteil der New Yorker Schickeria. Selbstbewußt glaubt sie sich mit Beziehungen wirklich gut auszukennen. Demnächst will sie ihren Verlobten heiraten, um dann im nächsten Buch das erfolgreiche Eheleben thematisieren zu können.

Auf einem Promotion-Flug nach Alaska erfährt Marin aber durch Zufall, daß ihr Verlobter sie betrügt. Sie hat aus Versehen seinen Laptop mitgenommen und entdeckt darauf eindeutige Fotos. Als sie daraufhin in Elmo, einem kleinen Küsten-Kaff im Niemandsland von Alaska, ankommt, ist sie völlig durch den Wind. Eigentlich will sie sofort wieder weg, doch durch die schlechte Infrastruktur (An- und Abreise nur mit einem kleinen Wasserflugzeug) muß sie zwangsläufig ein paar Tage in Elmo bleiben.

Die Stadt ist wild, archaisch und mit einem deutlichen Überschuß an Männern “gesegnet” (sie sitzen sogar in den Bäumen, wie Marin in der ersten Episode feststellt, daher der Titel der Serie). Alle zwischenmenschlichen Regeln, wie sie in der “Zivilisation” der Großstadt fester Bestandteil von Marins Gesellschaftsleben waren, scheinen hier etwas anders strukturiert zu sein. Dies und die Tatsache, daß sie keine Ahnung vom Fremdgehen ihres Verlobten hatte, in der falschen Annahme lebte, zwischen ihnen sei alles pefekt, führt bei Marin zu einem langsamen Prozeß des Selbstzweifels und dann zum Umdenken darüber, was eine wirklich gute Beziehung eigentlich auszeichnet.

Marin beschließt länger in Elmo zu bleiben, um ihr neues Buch über das Wesen der Männer zu schreiben. Langsam freundet sie sich mit den Bewohnern der Stadt an, wobei es auch immer wieder Spannungen und Mißverständnisse gibt, die dann die Komik der Serie ausmachen. Besonders zugeneigt ist Marin dem örtlichen Biologen Jack Slattery (James Tupper), der ganz anders zu ticken scheint, als die Männer, denen Marin bisher begegnet ist.

Weitere zentrale Nebencharaktere sind der einzige Pilot der Stadt, Buzz Washington (John Amos), und dessen “importierte”, kratzbürstige Frau Mai Washington (Lauren Tom); der junge Patrick O’Bachelorton (Derek Richardson) der den regionalen Radiosender sowie das Hotel leitet und ein absoluter Fan von Marins Büchern ist; Annie O’Donnell (Emily Bergl), Marins größter Fan der ihr bis nach Elmo gefolgt ist; Ben Thomasson (Abraham Benrubi) der Besitzer der örtlichen Bar und dessen Ex-Frau Theresa Thomasson (Sarah Strange); die “Dorfpolizistin” Celia Bachelor (Cynthia Stevenson) die Marin immer wieder für irgend etwas Strafmandate erteilt; die Prostituierte Sara Jackson (Suleka Mathew) die im Nebenzimmer von Marin wohnt und sich zu deren bester Freundin entwickelt; und schließlich Jane (Seana Kofoed), die als Marins Agentin für sie in New York die Stellung hält und regelmässig mit Marin korrespondiert.

“Men in Trees” gehört in das sog. Dramedy-Genre, also zu jenen modernen Serien, die eine Mischung aus Drama und Comedy darstellen. Sie sind einerseits lustig und unterhaltsam, enthalten andererseits aber ernstere Passagen, bestehen also nicht nur aus reinem Klamauk. Entwickelt wurde die Serie von Jenny Bicks, die auch schon für “Sex and the City” Drehbücher verfaßt hat.

Die Rolle der etwas arroganten, schnöseligen, leicht zickigen aber eben doch eigentlich gutherzigen Marin Frist scheint Anne Heche wie auf den Leib geschrieben. Eine ähnliche Rolle spielte sie z.B. auch schon neben Harrison Ford in “Sechs Tage, sieben Nächte”. Obwohl die Serie hauptsächlich durch sie getragen wird, spielen aber natürlich auch die zahlreichen fast durchgängig gut besetzten Nebencharaktere eine wichtige Rolle für den Erfolg der Serie.

Wie bei modernen Serien üblich bauen die einzelnen Episoden zwar aufeinander auf, die Kenntnis der Vorgeschichte ist allerdings nicht so wichtig wie bei anderen Serie. Dies hat den Vorteil, daß man als Zuschauer auch einen Einstieg findet, wenn man nicht jede Folge von Anfang an gesehen hat oder zwischendurch mal die ein oder andere Folge verpaßt hat.