Archiv für April 2007

BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin, Frankreich, 2001

April 30, 2007

„Die Klavierspielerin“ (Orig.: La Pianiste) ist ein französischer Film von Michael Haneke nach der gleichnamigen Romanvorlage der österreichischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Die Hauptfigur Erika Kohut (traumhaft besetzt mit Isabelle Huppert) ist eine Klavierlehrerin und Professorin am Konservatorium Wien, die mit Ende 30 alleinstehend immer noch mit ihrer Mutter zusammen in einer Wohnung lebt (beide teilen sich sogar ein Ehebett). Beruflich sehr erfolgreich, verfügt Erika über keinerlei Privatleben, da die Mutter die gesellschaftlichen Kontakte, besonders Männerbekanntschaften, ihrer Tochter unterbindet, Erika als ihr Eigentum betrachtet. Erika frißt ihre Wut und ihren Frust in sich hinein und leidet dabei unter Autoaggressionen.

Als sich einer ihrer Klavierschüler, Walter Klemmer (Anfang 20), in Erika verliebt und versucht sie für sich zu gewinnen, sieht Erika darin die Chance ihre lange unterdrückten, sadomasochistischen Gefühle endlich ausleben zu können. Es beginnt zunächst eine FemDom-Kombination, bei der die auch voyeuristisch veranlagte Erika versucht, Walter zu dominieren, ihm Anweisungen zu geben. Später kommt ihre Vorliebe für MaleDom zum Tragen, sie gibt Walter einen Zettel mit obskuren Anweisungen, was er mit ihr tun soll. Dieser kann jedoch weder mit der einen, noch der anderen SM-Spielart etwas anfangen.

Der krampfartige Versuch von Walter und Erika eine Beziehung einzugehen, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Während er die wahre Liebe, die Romantik sucht, ist Erika fixiert auf ihre SM-Vorlieben ohne jedoch die Nähe zuzulassen, nach der Walter sucht. Die Situation eskaliert, als der frustierte Walter Erika in einer „Überreaktion“ (Wikipedia) schlägt und vergewaltigt. Erika projiziert die ganze Wut gegen ihre Mutter auf Walter und lauert ihm mit einem Messer auf. Im entscheidenen Moment richtet sie das Messer dann aber gegen sich selbst und verletzt sich an der Schulter.

Die SM-Szenen sind weitaus weniger explizit als in anderen Filmen, doch die Rolle der dominanten, (scheinbar) kalten, befehlsgebenden Erika scheint Isabelle Huppert wie auf den Leib geschrieben. Auch der Altersunterschied zwischen den beiden entspricht einem klassischen BDSM-Stereotyp (ältere Frau dominiert jüngeren Mann).

Dabei sollte natürlich nicht übersehen werden, daß eigentlich das gestörte Mutter-Tochter-Verhältnis im Zentrum des Films steht. Und wer das Werk von Jelinek kennt weiß auch, daß bei ihr gesellschaftspolitische Mißstände eine zentrale Rolle spielen. Daß das gestörte Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auch ein Produkt der Gesellschaft ist in der sie leben, kann man allerdings nur zwischen den Zeilen herauslesen.

„Die Klavierspielerin“ wird immer mal wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt (meist in den dritten Programmen), ist aber natürlich auch als DVD erhätlich.

In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:

BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 1): Tokio Dekadenz, Japan, 1992

April 29, 2007

Neben den nächtlichen Softsex-Filmchen, die zwar aus den bekannteren Privatkanälen verbannt wurden, aber auf Randkanälen wie DSF, Das Vierte oder TV.B immer noch zu sehen sind, gibt es im deutschen Fernsehen hin und wieder auch Filme die Sex bzw. Sexualität zum Gegenstand haben und dabei über das lausige Niveau der allseits bekannten Mitternachtsstreifen hinaus kommen.

Grund genug, diesen wenigen Perlen hier mal etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Um die Sache übersichtlicher zu gestalten, konzentriere ich mich auf einige Streifen die im weitesten Sinne etwas mit BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) zu tun haben. Eine etwas umfassendere Filmliste dieses Genres findet sich in der Wikipedia.

Tokio Dekadenz (Orig.: Topâzu) gilt als einer der besten Filme des Schriftstellers, Drehbuchautors und Regisseurs Ryu Murakami (neben „Audition“, wobei Murakami hier „nur“ die Romanvorlage verfaßt hat). Geschildert wird der Alltag einer Prostituierten, die sich auf sadomasochistische Kunden spezialisiert hat.

Vordergründig geht es in dem Film um BDSM-Praktiken und eine unerwiderte, unrealistische Liebe. Das Szenario dient Murakami allerdings nur zur Illustration einer vollständig auf Hedonismus und Materialismus ausgerichteten Gesellschaft. Obwohl die Protagonisten viel körperliche Nähe haben, sind sie emotional abgestumpft und bindungsunfähig. „Der Film schildert die Sterilität und Kälte des modernen Lebens und die verbreitete Unfähigkeit, in diesem tiefe zwischenmenschliche Beziehungen eingehen zu können“ (Wikipedia).

In den vier sexuellen Begegnungen kommen diverse SM-Spielarten zum Tragen (MaleDom, FemDom, Asphyxie, etc.). Obwohl die Version fürs Fernsehen geschnitten ist, bleibt „Tokio Dekadenz“ vermutlich der expliziteste Film mit SM-Praktiken, der je im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Wer Geschmack daran gefunden hat, sollte vielleicht auch einen Blick auf „Tokio Dekadenz 2″ (Ai no shinsekai alias „Nightlife in Tokyo“) der auch hin und wieder im deutschen Fernsehen läuft und auf „Tokio Dekadenz 3″ (Nawa deka alias „Bondage Master“) werfen. Wobei der zweite Teil nur ein müder Abklatsch ist, den man sich höchstens wegen der SM-Szenen geben kann und der dritte Teil auf badmovies.de geführt wird und noch schrottiger sein soll.

Wer nicht auf die nächste Fernsehausstrahlung warten will (die letzten Male immer auf RTL 2), bekommt „Tokio Dekadenz“ natürlich auch als DVD. Der zweite Teil ist nur auf VHS herausgekommen und nur noch gebraucht erhältlich, der dritte dürfte noch schwieriger zu organisieren sein (und den Aufwand kaum lohnen).

In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:

Super Size Me

April 28, 2007

Der Bayerische Rundfunk zeigt am Mittwoch (02.05.) um 23:30 Uhr den preisgekrönten Dokumentarfilm „Super Size Me“ von Morgan Spurlock. Dabei ernährt sich Spurlock einen Monat lang nur von McDonald’s Produkten und dokumentiert währenddessen seinen gesundheitlichen Verfall.

Mehr Infos zum Film gibt es in einem alten Eintrag im Bloomsday Blog.

Toy Lover

April 26, 2007

Ms. Primitive tells the story of <King Kong> in her own words:

A giant orangutan in an island got a toy woman, who could play kid show, as his Christmas present. From then on he was like a child holding his Teddy bear, took the toy woman with him wherever he went. When his toy was taken away, he was very angry and swore he must get her back at any price. Many people paid to buy tears and thought they had seen a love story.

King Kong only cared about the part in his relationship with his toy woman that is related to himself. He could fight for her, he could watch sunset together with her, but he would not care whether this woman could get success in her entertainment career, or whether she fitted to live in the jungle. No, that’s work, not game.

Maybe toy love can be a variation of love, or one of the many variations of love. How many people know what really love is? Do not ask me, I don’t know how to answer.

I had the same viewpoint, but I can not state as clear as she did. That’s why I appreciate her.

Many, who think they are loved, do not know they are loved as a toy. This is the fact, the toys only provide amusement. If they don’t possess the function for satisfying the others any more, they are naturally and reasonably abandoned.

Sooo sorry.

Autor dieses Beitrags: Qf

ARTE Themenabend: „Google, Apple, Microsoft … Die neuen Herren der Welt“

April 20, 2007

ARTE sendet heute (20.04.) einen Themenabend mit dem Titel „Google, Apple, Microsoft … Die neuen Herren der Welt“.

Um 22:10 Uhr gibt es den hochgelobten Dokumentarfilm „Wer hat Angst vor Google?“ (2007) von Sylvain Bergère und Stéphane Osmont:

„Stéphane Osmont und Sylvain Bergère entschlüsseln in ihrer Dokumentation das Erfolgsgeheimnis von Google, zeichnen die genauen Umstände seiner Entstehung nach und werfen einen Blick ins Innere von ‘Googleplex’, dem Firmenhauptsitz, der die Philosophie des Unternehmens widerspiegelt. Kritiker äußern sich über die Vormachtstellung von Google auf dem internationalen Markt, und weisen auf Sicherheitsrisiken im Bereich Datenschutz und die Verletzung von Autorenrechten hin.“ (ARTE)

Wer heute Abend keine Zeit oder was besseres zu tun hat, kann sich die Dokumentation ab dem 21.04. für den Zeitraum von sieben Tagen auch auf der ARTE Website als Video im Realformat ansehen. Im Fernsehen wird die Dokumenation zusätzlich am 23.04. um 01:25 Uhr wiederholt.

Im zweiten Teil des Themenabends strahlt ARTE um 23:45 Uhr den Fernsehfilm „Die Silicon Valley Story“ (Pirates of Silicon Valley, 1999) von Martyn Burke aus; basierend auf Paul Freibergers Buch „Fire in the Valley: The Making of The Personal Computer“. Erzählt wird die Entstehungsgeschichte des Personal Computers (PC) mit einem besonderen Fokus auf die Rivalität zwischen Bill Gates (Microsoft) und Steve Jobs (Apple).

„Dem Film wurde mehrfach vorgeworfen, er ergreife für Apple Partei. Doch die Fakten werden wahrheitsgetreu wiedergegeben, und Steve Jobs wird ebenso aufs Korn genommen wie Bill Gates. Die Basis des Films bilden Aussagen von Zeitzeugen, die bei der Gründung der beiden Unternehmen und ihrer wachsenden Konkurrenz wichtige Rollen spielten und heute berühmte Mitglieder des Mikrokosmos von Silicon Valley sind.“ (ARTE)

Auch dieser Film wird auf ARTE wiederholt und zwar am 26.04. um 15:15 Uhr. Besonders die erste Dokumentation über Google ist mit Sicherheit sehenswert und auch eine Erstausstrahlung. Die zweite über Steve Jobs und Bill Gates ist schon älter, für jene die die Entstehungsgeschichte von Apple / Microsoft noch nicht kennen, aber sicherlich auch interessant.