BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 2): Die Klavierspielerin, Frankreich, 2001

„Die Klavierspielerin“ (Orig.: La Pianiste) ist ein französischer Film von Michael Haneke nach der gleichnamigen Romanvorlage der österreichischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Die Hauptfigur Erika Kohut (traumhaft besetzt mit Isabelle Huppert) ist eine Klavierlehrerin und Professorin am Konservatorium Wien, die mit Ende 30 alleinstehend immer noch mit ihrer Mutter zusammen in einer Wohnung lebt (beide teilen sich sogar ein Ehebett). Beruflich sehr erfolgreich, verfügt Erika über keinerlei Privatleben, da die Mutter die gesellschaftlichen Kontakte, besonders Männerbekanntschaften, ihrer Tochter unterbindet, Erika als ihr Eigentum betrachtet. Erika frißt ihre Wut und ihren Frust in sich hinein und leidet dabei unter Autoaggressionen.

Als sich einer ihrer Klavierschüler, Walter Klemmer (Anfang 20), in Erika verliebt und versucht sie für sich zu gewinnen, sieht Erika darin die Chance ihre lange unterdrückten, sadomasochistischen Gefühle endlich ausleben zu können. Es beginnt zunächst eine FemDom-Kombination, bei der die auch voyeuristisch veranlagte Erika versucht, Walter zu dominieren, ihm Anweisungen zu geben. Später kommt ihre Vorliebe für MaleDom zum Tragen, sie gibt Walter einen Zettel mit obskuren Anweisungen, was er mit ihr tun soll. Dieser kann jedoch weder mit der einen, noch der anderen SM-Spielart etwas anfangen.

Der krampfartige Versuch von Walter und Erika eine Beziehung einzugehen, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Während er die wahre Liebe, die Romantik sucht, ist Erika fixiert auf ihre SM-Vorlieben ohne jedoch die Nähe zuzulassen, nach der Walter sucht. Die Situation eskaliert, als der frustierte Walter Erika in einer „Überreaktion“ (Wikipedia) schlägt und vergewaltigt. Erika projiziert die ganze Wut gegen ihre Mutter auf Walter und lauert ihm mit einem Messer auf. Im entscheidenen Moment richtet sie das Messer dann aber gegen sich selbst und verletzt sich an der Schulter.

Die SM-Szenen sind weitaus weniger explizit als in anderen Filmen, doch die Rolle der dominanten, (scheinbar) kalten, befehlsgebenden Erika scheint Isabelle Huppert wie auf den Leib geschrieben. Auch der Altersunterschied zwischen den beiden entspricht einem klassischen BDSM-Stereotyp (ältere Frau dominiert jüngeren Mann).

Dabei sollte natürlich nicht übersehen werden, daß eigentlich das gestörte Mutter-Tochter-Verhältnis im Zentrum des Films steht. Und wer das Werk von Jelinek kennt weiß auch, daß bei ihr gesellschaftspolitische Mißstände eine zentrale Rolle spielen. Daß das gestörte Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auch ein Produkt der Gesellschaft ist in der sie leben, kann man allerdings nur zwischen den Zeilen herauslesen.

„Die Klavierspielerin“ wird immer mal wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt (meist in den dritten Programmen), ist aber natürlich auch als DVD erhätlich.

In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:

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