BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary, USA, 2002

In Secretary (Orig.: Secretary; interessanterweise hat der Film keinen eigenen deutschen Titel erhalten), spielt James Spader E. Edward Grey, den Chef einer kleinen Ein-Mann-Kanzlei und Maggie Gyllenhaal seine introvertierte, autoaggressive Sekretärin Lee Holloway.

Beide haben eine Vorliebe für SM, doch während Grey sich dessen bewußt ist und krampfhaft versucht seine Vorlieben für Dominanz zu unterdrücken, ist sich Holloway zu Beginn des Films über ihre Tendenz zur Unterwerfung nicht im Klaren. Grey hat sich nicht im Griff und dadurch schon mehr als eine Sektretärin „verschlissen“. Eines Tages bewirbt sich Holloway für den Job, die noch zu hause bei ihrer Familie lebt und von dieser als suizidgefährdet betrachtet wird. Holloway verletzt sich zwar selbst, sieht sich aber nicht als selbstmordgefährdet.

Schnell stellt sich heraus, daß beide perfekt zueinander passen, Grey liebt es Holloway zu dominieren und die liebt es dominiert zu werden, es entwickelt sich eine klassische MaleDom-Beziehung. Diese beginnt harmlos indem Grey seine neue Sekretärin für jede Kleinigkeit zurecht weist und diese zunehmend gefallen daran findet und deswegen absichtlich Tippfehler macht. Auf dem Höhepunkt versohlt Grey ihr dann den Hintern, aber eben nicht Ratschbatsch, sondern regelrecht zelebrierend.

Holloway schafft es durch das Ausleben ihrer SM-Phantasien ihre Tendenz zur Autoaggression zu überwinden (ein in der Rezension umstrittener Punkt). Doch nach dem ersten und einzigen sexuellen Kontakt distanziert sich Grey wieder von ihr, versucht seine Vorliebe zu unterdrücken. Holloway sucht daher Ersatz, doch weder eindeutige Kontaktversuche über Zeitungsannouncen noch der Versuch ihren Verlobten ihre SM-Vorliebe näherzubringen, sind von Erfolg gekrönt.

Am Ende beschließt Holloway um ihr Glück zu kämpfen und Grey für sich zurück zu gewinnen. Der ist zunächst abweisend, gibt ihr dann aber den Befehl regungslos mit den Händen abgestützt an seinem Schreibtisch sitzen zu bleiben. Nachdem Holloway dann tatsächlich mehrere Tage regungslos am Schreibtisch verharrt und niemand es schafft sie zum Gehen zu bewegen, gibt der sichtlich beeindruckte Grey nach. Schließlich heiraten beide und leben ihre SM-Beziehung weiter aus.

Von der einen beschriebenen Schlüsselszene abgesehen zeigt der Film keine expliziten SM-Praktiken, das Wechselspiel von Dominanz und Unterwerfung findet vorwiegend auf einer anderen Ebene statt, wirkt nichtsdestotrotz aber sehr überzeugend. Sowohl Spader als auch Gyllenhaal brillieren in ihren Rollen.

Secretary wurde bereits mehrmals im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt und wird dort wohl früher oder später auch wiederholt. Wer nicht solange warten will, kann ihn sich natürlich auch als DVD besorgen.

In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:

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Eine Antwort to “BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 4): Secretary, USA, 2002”

  1. @nne Says:

    Grad gesehen und ich bin begeistert!
    Ich kam im Film ja aus dem Jauchzen gar net mehr raus! Genau nach meinem Geschmack. Keine Lack-Leder-Masken-Albernheiten, keine „Gewalt“-Darstellungen, gegenseitiger Respekt, Vertrauensbasis statt blinde Hörigkeit, gepflegte Dominanz bei ruhiger Stimmlage… Grandios gespielt. Da verzeih ich doch gern das SVler-Klischee.
    Gut Nacht und schöne Träume :o)

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