BDSM im deutschen Fernsehen (Teil 6): 9 1/2 Wochen, USA, 1986

„9 1/2 Wochen“ (Orig.: Nine 1/2 Weeks) von Adrian Lyne (nach einem Roman der unter dem Pseudonym Elizabeth McNeill veröffentlicht wurde) ist sicherlich der kommerziell erfolgreichste und bei weitem bekannteste Film mit BDSM-Elementen. Natürlich ist er bei weitem nicht der beste, hat aber das Thema BDSM einem großen Publikum zugänglich gemacht und galt bei seinem Erscheinen im Jahr 1986 als Skandalfilm (obwohl er verglichen mit anderen Streifen in dieser Reihe natürlich eher harmlos ist, was die explizite Darstellung von BDSM-Praktiken angeht).

Nachdem die Kunstgaleristin Elizabeth (Kim Basinger) eine gescheiterte Ehe hinter sich gebracht hat, ist sie nicht unbedingt erpicht auf die körperliche Nähe zu Männern. Gleichzeitig leidet sie aber offensichtlich an der Leere und der Einsamkeit, die sich aus einem beziehungslosen Leben ergeben. Dies ändert sich schlagartig, als der sehr erfolgreiche Börsenmakler John (Mickey Rourke) in ihr Leben tritt und beide eine Affäre miteinander beginnen.

Die Beziehung ist zunächst rein sexuell, beide reden verhältnismäßig wenig miteinander und steigern sich stattdessen in immer gewagtere sadomasochistische Spiele. Die selbstbewußte Elizabeth glaubt dabei zunächst alles im Griff zu haben, muß aber langsam feststellen, daß sie sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu John begeben hat. Dies wird umso schwieriger, als John anfängt bei den Spielen weiterzugehen, als es Elizabeth recht ist. In einer berühmten Szene in der Elizabeth mit verbundenen Augen Sex mit einer Prostituierten haben soll (während John zusieht), wird ihr das Ganze zu viel und sie verläßt nach 9 1/2 Wochen ihren Liebhaber.

Viele Szenen aus dem Film haben sich zu „eigenen Stilikonen“ entwickelt. Am berühmtesten darunter sicherlich das „erotische Essen“, wo die beiden mit Nahrung spielen. Die Szene wurde x-fach kopiert und parodiert (z.B. in „Hot Shots“). Berüchtigt ist auch Kim Basingers Abneigung gegenüber Mickey Rourke, die angeblich in dem Zitat gipfelte, ihn zu küssen sei so reizvoll wie einen Aschenbecher auszulecken. Angeblich soll Lyne die beiden Schauspieler mit Psychotricks bewußt so manipuliert haben, daß sie sich je nach zu spielender Szene tatsächlich mochten oder nicht mochten.

Während der Film ein kommerzieller Erfolg war, ist er unter Kritiken stark umstritten. Auf der einen Seite steht die Handlung, die nur rudimentär bis nicht vorhanden ist und dem Drehbuch die Nominierung für eine Goldene Himbeere, dem „Anti-Oscar“, einbrachte. Auf der anderen Seite steht die lobenswerte, schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Die Figur des psychopathischen John scheint Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben und auch Kim Basinger versteht es die laszive Elizabeth überzeugend zu spielen.

11 Jahre später, 1997, erschien dann das Sequel mit dem Titel „9 1/2 Wochen in Paris“ (Orig.: „Love in Paris“), wieder mit Mickey Rourke aber ohne Kim Basinger. Anders als der erste Teil wurde diese Fortsetzung allerdings ein totaler Flop.

Adrian Lynes „9 1/2 Wochen“ ist hingegen zu einem echten Klassiker avanciert, den jeder Mal gesehen haben sollte, der sich für BDSM im Film interessiert. Auch im deutschen Fernsehen ist er immer mal wieder zu sehen.

In der BDSM-Reihe sind hier bisher erschienen:

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